Auf dem Vietnam Economic Forum 2026, das am 25. März vom Vietnam Institute of Economics and the World organisiert wurde, herrschte unter politischen Entscheidungsträgern, Experten und Unternehmen Einigkeit in einem Punkt: Wissenschaft, Technologie und KI müssen zur übergeordneten Achse und Grundlage des neuen Entwicklungsmodells werden.
Delegierte tauschen sich auf dem Forum aus. Foto: VT
Etablierung von Wissenschaft und Technologie als übergeordneter Achse.
Nach fast 40 Jahren Reformen stößt Vietnams Wachstumsmodell an seine Grenzen. Die Abhängigkeit von Kapital, billigen Arbeitskräften und Outsourcing lässt kaum Raum für Produktivitätssteigerungen und Wertschöpfung. Gleichzeitig wandelt sich die Welt rasant hin zu einer wissensbasierten, technologie- und datengetriebenen Wirtschaft.
Auf dem Vietnam Economic Forum 2026 waren sich Experten einig, dass Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation die tragenden Säulen des neuen Entwicklungsmodells bilden sollten. Laut Nguyen Duc Hien, stellvertretender Leiter der Abteilung für Politik und Strategie des Zentralkomitees, zielt der Aufbau eines auf diesen Faktoren basierenden Wachstumsmodells nicht nur darauf ab, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, sondern auch die langfristige Entwicklungsstrategie des Landes zu gestalten.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht betonte Nguyen Trung Chinh, Vorsitzender der CMC Technology Group, die Bedeutung der Daten- und KI-Ökonomie als bahnbrechende Treiber. Daten sind nicht länger nur ein unterstützender Faktor, sondern haben sich zu einer neuen „Produktionsinfrastruktur“ entwickelt – vergleichbar mit Land oder Kapital in der traditionellen Wirtschaft. Gleichzeitig wandelt sich KI von einer eigenständigen Technologie zu einer strategischen Infrastruktur, die sich auf alle Sektoren ausbreiten kann.
Schätzungen zufolge könnten die digitale Wirtschaft und die KI-Wirtschaft bei effektiver Nutzung bis zu 30 % zum BIP beitragen und bis 2030 ein Volumen von rund 80 Milliarden US-Dollar erreichen. Insbesondere KI kann exponentielles Wachstum generieren und vielen Branchen zu Wachstumsraten von 20–50 % verhelfen – eine entscheidende Grundlage für Vietnam, um ein zweistelliges Wachstum anzustreben.
Internationale Erfahrungen zeigen zudem, dass erfolgreiche Volkswirtschaften wie die USA, China und Singapur Daten und Technologie in den Mittelpunkt ihrer Entwicklungsstrategien stellen. Allein in Singapur trägt die Datenwirtschaft fast 20 % zum BIP bei und beweist damit eindrucksvoll die Effektivität dieses Modells.
Die Kulisse des Forums. Foto: VT
Beseitigung von Engpässen zur Realisierung des neuen Modells.
Obwohl die Richtung klar ist, liegt Vietnams größte Herausforderung derzeit in der Umsetzung. Laut Huynh Quyet Thang, Direktor der Technischen Universität Hanoi, müssen Wissenschaft und Technologie als zentrales Element („xuyên suốt“) etabliert werden, anstatt nur eine unterstützende Rolle zu spielen. Dies erfordert einen grundlegenden Wandel im Managementdenken: von Kontrolle hin zu Gestaltung, von Vorsicht hin zur Akzeptanz kontrollierter Experimente.
Eine der dringlichsten Anforderungen ist die Verbesserung des institutionellen Rahmens hin zu mehr Flexibilität, Anpassungsfähigkeit an die praktischen Gegebenheiten und die Förderung der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Parallel dazu bedarf es erheblicher Investitionen in die digitale Infrastruktur, insbesondere in die Dateninfrastruktur, um das Fundament der digitalen Wirtschaft zu bilden.
Der Faktor Mensch spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Vietnam verfügt über eine junge Bevölkerung, doch um dieses Potenzial auszuschöpfen, muss das Land die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte fördern, insbesondere in den Bereichen Technologie, Daten und KI. Dies ist nicht nur eine nationale Notwendigkeit, sondern eröffnet auch Chancen für die Teilnahme am globalen Arbeitsmarkt.
Laut Dr. Vu Sy Cuong, Chefökonom des Instituts für Technologie und Finanzentwicklung (Finanzakademie), liegt das größte Hindernis derzeit jedoch im Mechanismus und den Ressourcen. Vietnams Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind mit nur etwa 0,4 % des BIP weiterhin niedrig. Insbesondere der Beitrag der Wirtschaft ist begrenzt, obwohl diese die zentrale Kraft des Innovationsökosystems sein sollte.
Die Hauptgründe liegen in komplexen Verfahren, unflexiblen Mechanismen und der Angst vor Risiken bei der Umsetzung von Maßnahmen. Trotz zahlreicher Förderprogramme war deren Umsetzung ineffektiv, wodurch Ressourcen nicht voll ausgeschöpft werden konnten.
Laut Dr. Dang Xuan Thanh, Vizepräsident der Vietnamesischen Akademie der Sozialwissenschaften, muss das Ressourcenmanagement aus einer systemischen Perspektive angegangen werden, unter Beteiligung von Staat, Unternehmen und Markt. In diesem Ansatz übernimmt der Staat die Führungsrolle, Unternehmen sind Innovationszentren und der Markt ist für die effiziente Ressourcenallokation verantwortlich.
Insbesondere die Vereinfachung von Verfahren, die Senkung der Compliance-Kosten und die Akzeptanz von Risiken bei Investitionen in Wissenschaft und Technologie sind Voraussetzungen für eine effektive Umsetzung von politischen Maßnahmen.
Der Übergang zu einem auf Wissenschaft, Technologie, Innovation und KI basierenden Wachstumsmodell ist für Vietnam nicht nur eine unmittelbare Notwendigkeit, sondern auch eine langfristige Strategie, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Durch den Abbau institutioneller und ressourcenbedingter Engpässe sowie die Unterstützung von Unternehmen und des Innovationsökosystems sind zweistellige Wachstumsziele in dieser neuen Ära durchaus erreichbar.
Quelle: https://hanoimoi.vn/dat-khoa-hoc-cong-nghe-va-ai-vao-trung-tam-mo-loi-cho-tang-truong-hai-con-so-741055.html