Stand: 29.06.2026 02:00 Uhr
Nach den Erdbeben in Venezuela sind die ersten Helfer und Rettungshunde vom Bundeswehr-Standort Wunstorf in Venezuelas Hauptstadt Caracas gelandet. Sie erwartet ein schwieriger Einsatz. Auch Spürhunde aus Tschechien sind unterwegs.
Das 46-köpfige Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist in der Nacht zu Samstag im Katastrophengebiet in Venezuela eingetroffen. Die Einsatzkräfte der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) erkunden gemeinsam mit internationalen Partnern zunächst die Lage, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner. So schnell wie möglich solle die Suche nach Vermissten beginnen. “Im Einsatzland startet nun ein Wettlauf gegen die Zeit”, hieß es beim THW weiter. Das Ziel sei, Einsatzstellen zu identifizieren, an denen es wahrscheinlich sei, Menschen retten zu können.
Arbeit in zwei Schichten
Soll helfen, Vermisste aufzuspüren: Ein Rettungshund des THW nach der Landung in Venezuela.
Sobald die Suchmaßnahmen starten können, soll das Team rund um die Uhr in zwei Schichten arbeiten. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte haben den Angaben zufolge moderne Suchtechnik dabei sowie Such- und Rettungshunde. “Mit ihren feinen Nasen sind sie in der Lage, Überlebende aufzuspüren.”
Zahl der Toten steigt auf mindestens 1.430
Die Regierung Venezuelas spricht von einem Erdbeben noch nie dagewesenen Ausmaßes. Wie groß die Folgen tatsächlich sind, ist bislang nicht absehbar. Die Zahl der Toten lag am Sonntagmittag offiziellen Angaben zufolge bei mindestens 1.430. Zudem seien 3.238 Menschen verletzt worden, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Auf einem eigens eingerichteten Internetportal gelten derzeit mehr als 55.000 Menschen als vermisst. Die Zahlen lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.
Wettlauf gegen die Zeit
Das kritische Zeitfenster, um noch Lebende unter den Trümmern zu finden, schließt sich unterdessen. Die Chancen von Vermissten und Verschütteten sinken laut Experten nach 72 Stunden stark.
76 Hilfskräfte auf dem Weg
Am Freitagvormittag um kurz nach 11 Uhr war die erste Maschine des Typs A400M mit Hilfskräften des THW am Bundeswehr-Standort in Wunstorf (Region Hannover) gestartet. Drei weitere Maschinen folgten Freitagmittag. Nach Angaben der Luftwaffe waren zunächst insgesamt zehn Ärzte, 76 Hilfskräfte, sieben Hunde und 28,5 Tonnen Ausrüstung und Hilfsgüter auf dem Weg nach Venezuela. Begleitet wurden sie von insgesamt zwölf bewaffneten Soldaten, die den Transport und die Helfer absichern sollen. Am Samstag ist ein fünfter A400M mit Hilfsgütern der Organisation Malteser in Richtung Venezuela abgehoben. Der Einsatz in Venezuela ist zunächst auf zwei Wochen angelegt.
Am Montag starten zwei weitere A400M
Am Sonntag wurden die ersten zwei zurückkehrenden Flugzeuge wieder in Wunstorf erwartet. Zwei weitere A400M mit Hilfsgütern sollen am Montag in die rund 8.200 Kilometer entfernte Krisenregion fliegen. “Es ist geplant, dass täglich ein Flugzeug von hier startet”, sagte ein Sprecher.
Keine Flüge ab Wunstorf am Sonntag
Wie die Luftwaffe weiter mitteilt, sind am Sonntag keine Flüge aus Wunstorf gestartet – dafür aber ein A330 der Multinational Multirol Tanker Transportfleet in Prag. Er bringt Material, Personal und zehn tschechische Spürhunde nach Curacao. Dort übernehmen die A400M des Lufttransportgeschwaders 62 aus Wunstorf dann den Weitertransport nach Caracas.
Video:
Erdbeben in Venezuela: Bundeswehr schickt Flieger aus Wunstorf (1 Min)
Bewaffnete Soldatinnen und Soldaten an Bord
Unter anderem reiste auch ein sogenanntes Airprotection-Team mit bewaffneten Soldatinnen und Soldaten ins Erdbebengebiet. Sie sollten das Flugzeug absichern, weil ungewiss sei, auf welchen Plätzen die Maschinen landen und wie das Team dort empfangen würde, hatte die Bundeswehr vorab mitgeteilt. Die Mitnahme solcher Sicherheitsleute sei Standard.
Hilfsorganisationen sind am Donnerstag aufgebrochen
Am Donnerstag hatte das Bundesverteidigungsministerium mitgeteilt, dass vom Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf (Region Hannover) insgesamt sechs Maschinen zur Unterstützung bereitstehen – eine für den medizinischen Krankentransport, fünf weitere für den Transport von Personal und Material. Vorab-Teams des THW, der Hilfsorganisation @fire und I.S.A.R Germany waren bereits am Donnerstag zur Lageabklärung und Koordinierung weiterer Einsatzteams in die Region aufgebrochen.
Kapazitäten EU-weit gebündelt
Der Europäische Katastrophenschutz-Mechanismus bündelt die Kapazitäten der 27 EU-Länder sowie acht weiterer Staaten: Das sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Island, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien und die Türkei. Seit 2001 wurde das Katastrophenschutz-Verfahren über 600 Mal für Nothilfe innerhalb und außerhalb der Europäischen Union aktiviert.
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Die Erdbeben in Venezuela trafen die Menschen ohne Vorwarnzeit. Geo-Forscher Marco Bohnhoff geht davon aus, dass die Lage sich in einigen Jahren verbessern könnte.

Die Spezialkräfte und Rettungshunde sind darauf spezialisiert, Menschen zu bergen. Weitere Einheiten sollen folgen.

Tausende Opfer befürchtet
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Todesopfer nach jüngsten Angaben auf mindestens 188 gestiegen. Mehr als 1.500 Menschen seien verletzt worden. Die internationale Hilfe ist angelaufen.