Wenn Technologie auf Natur trifft, muss nicht immer Ausbeutung im Spiel sein. Die Ausstellung (RE)NEW plädiert für ein intensives Kennenlernen.
Draußen pumpt die Hitze durch die Stadt, während man im esc medien kunst labor den Regen schon sehen und sogar riechen kann – als Parfüm. Lola Le Vient und Antonin Lemière bieten mit ihrer Partitur dem Regen eine Bühne für eine Performance, die so unberechenbar ist wie das Wetter selbst. Regentropfen schreiben sich aktiv in ein grafisches und klangliches Raster ein. Technologie und Natur, das könnte in der Theorie eine fabelhafte Paarung sein, würde die Natur nicht in den meisten Fällen den Kürzeren ziehen. Die Ausstellung (RE)NEW will aber einen Neuanfang markieren: „Technologie muss nicht immer Ausbeutung bedeuten“, erklärt Ilse Weber vom esc medien kunst labor. Vielmehr gehe es darum, „Technologie und Gesellschaft neu zu denken.“ Medienkunstschaffende beschäftigten sich längst intensiv mit jenen Fragen, die in der Gesellschaft noch nicht flächendeckend diskutiert werden, darunter: „Wie kann Gesellschaft neu gedacht werden?“, so Weber. „Wir müssen raus aus dieser scheinbaren Alternativlosigkeit“, fügt Reni Hofmüller an, die den Optimismus der Ausstellung hervorstreicht. In der lässt sich gut umsetzen, was Ilse Weber in dieser digitalen Welt dringlich einfordert: „Beschäftigt euch mit den Technologien, um ihre Auswirkungen zu kennen.“
Das geht hier oft spielerisch, wie mit der Installation „Array Afterglow“ von Steven Mark Kübler, mit der man selbst interagieren kann. Aber die Ausstellung widmet sich realen Problemen und ihren Lösungen: Das Gemeinschaftsprojekt „Telluric“ von Surzhana Radnaeva und Traditional Futures widmet sich der Herstellung nachhaltiger Mode: Der Nachbau einer Open-Source-Papiermaschine ermöglicht die Herstellung von Hadernpapier aus Textilabfällen und in weiterer Folge von Mode. Könnte das ein Ansatz für die Zukunft sein? Das Projekt reicht über die Ausstellung hinaus und wird künftig Studierenden zur Verfügung stehen. Es ist der Netzwerkgedanke, der in der esc-Ausstellungs-DNA verankert ist. „Diese Kooperationen ziehen ihre Kreise“, schildert Hofmüller und ergänzt: „Genau das stimmt mich optimistisch. Es geht um den Glauben daran, dass Zukunft gestaltbar ist.“ Noch Zukunftsmusik, aber eine, die viel bereithält: Es ist ein filigranes Geschöpf, das Edy Fung mit Picocosmos geschaffen hat, und es handelt vom spannendsten Speicherstoff der Zukunft: Photonen!
(RE)NEW. Bis 14. 8., esc. Bürgergasse 5, 8010 Graz. esc.mur.at.
© Martin GrossAkustisch in den Regen eintauchen mit „Bruine“ von Ulysse Gohin
© Martin GrossPhotonenalarm! Picocosmos von Edy Fung
© Martin Gross„Array Afterglow“ von Steven Mark Kübler