Am Donnerstag diskutierten die Gäste bei “Markus Lanz” über die US-Zwischenwahlen: Ökonomin Samina Sultan, Journalistin Anna Sauerbrey und Berater Armin Petschner-Multari zeichneten ein drastisches “Zerrbild”. Der Blick in die USA löste dann einen Streit darüber aus, was die Öffnung zur AfD kaputt machen könnte.
Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Doris Neubauer auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.
Ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 2,3 Prozent, “von denen wir in Deutschland nur träumen”, ein KI-Boom und trotzdem Wut: In den USA sorgt die obere Hälfte der Bevölkerung für den Konsum, die untere kämpft “still und verzweifelt” mit Spritpreisen und Mieten. Dazu kommen ein Wahlkampf mit Rekordsummen, ein Krieg gegen den Iran und Staatsschulden, die die Märkte nervös machen.
Wie es dazu kam, dass Wählerinnen und Wähler dem US-Präsidenten nun bei den Zwischenwahlen die Quittung ausstellten, war aber nur ein Thema des Abends. Bei “Markus Lanz” ging es am Donnerstagabend vor allem auch um “würdeloses Geschachere” in der deutschen Union und die Frage, ob die Brandmauer gegenüber der AfD noch zu halten ist.
Die Gäste
- Roderich Kiesewetter: CDU-Politiker
- Armin Petschner-Multari: Autor und Politberater
- Anna Sauerbrey: Journalistin
- Samina Sultan: Ökonomin
Der besondere Moment
Noch bevor Markus Lanz mit seinen Gästen über den großen Teich blickte, ging es um eine andere Wahl: Anders als die Midterms steht die Bundespräsidentenwahl in Deutschland am 30. Januar 2027 noch bevor. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits früh seine Landtagspräsidentin Ilse Aigner aktiv ins Rennen gebracht hatte, fallen seit Wochen immer wieder neue Namen aus den Reihen des Unionspartners CDU. Zuletzt brachte Bundeskanzler Friedrich Merz die hessische CDU-Fraktionschefin Ines Claus ins Spiel, ohne das Wissen der eigenen Fraktion. “Es ist eine ziemlich verstolperte, handwerklich schwierige Phase, die wir gerade erleben”, kommentierte Roderich Kiesewetter die Debatte.
Am Donnerstag sprach Markus Lanz mit seinem Gästen, hier mit CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, über die innerdeutsche Politik sowie die US-Zwischenwahlen.
© ZDF/ Markus Hertrich
Damit hatte Markus Lanz offenbar nicht gerechnet: “Wenn wir mit Ehrlichkeit anfangen, finde ich das gut”, schmunzelte er. Doch Kiesewetter verzog keine Miene: “Ich möchte, dass Ilse Aigner die besten Chancen hat”, fügte er hinzu, wollte sich aber, genauso wenig wie sein CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Frey kürzlich, darauf festnageln lassen.
“Es muss Ilse Aigner werden”, wurde Politikberater Armin Petschner-Multari von der CSU schon konkreter. “Sie wissen es?”, kam das für Lanz wie gerufen. “Ich weiß es”, bestätigte dieser und berief sich auf “verlässliche Quellen”, lenkte dann aber gleich ein: “Aber es gibt nie hundertprozentige Sicherheit. Das ist die CSU-Linie, wer weiß, was die CDU wieder aus dem Hut zaubert.” Seiner Meinung nach gebe es aber nur den einen Weg.
Kiesewetter stimmte ihm zu. “2029 wird eine schwierige Bundestagswahl, und wir brauchen eine empathische Persönlichkeit”, sprach er sich für Aigner als Kandidatin aus und wünschte sich, dass Merz sich dazu bekenne. “Er kann nur gewinnen”, sagte er und kritisierte erneut das “handwerklich ungeschickte und des Amts unwürdige Namedropping”. Genervt von der Debatte sei er nicht, aber enttäuscht, korrigierte er Lanz. Der glaubte ihm nicht: “Ich kenne Sie ein bisschen, für Ihre Verhältnisse sind Sie richtig sauer.”
“So zu dilettieren ist wirklich bitter”, gab Kiesewetter schließlich zu. Er meinte offensichtlich Bundeskanzler Merz, der nicht zum ersten Mal bei Personalfragen “handwerklich unabgestimmt” Vorschläge eingebracht hatte. “Er ist jemand, der den Begriff von gestaltender Politik erst spät erkennt”, hatte er auf Lanz’ Frage als Erklärung parat. Dieses Fingerspitzengefühl müsse Merz entwickeln, einen Amtswechsel lehnte der CDU-Politiker ab: “Er ist verpflichtet, diese Regierung auf Erfolg zu bringen.” Anna Sauerbrey, Politikchefin der “Zeit”, stellte fest: “Sie überhöhen die Figur des Bundespräsidenten.” Dabei müssten Union und SPD mit den Bundestagswahlen umgehen: “Da wird Ihnen keine Bundespräsidentin (…) helfen.” Für Lanz stand fest: “Es wird Ilse Aigner. Das können wir rausgeben an die Agenturen!”
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Fehlendes Fingerspitzengefühl: CDU-Politiker attackiert Merz

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Der Schlagabtausch
Politisch turbulente Zeiten erleben nicht nur Trump und die Republikaner. Wie stark die demokratische Mitte auch hierzulande unter Druck steht, zeigte das Streitgespräch gegen Ende der Sendung. “Wir müssen Mitte neu definieren”, forderte Armin Petschner-Multari. Die Union könne nicht nach rechts klare Grenzen ziehen, nach links aber keine vergleichbare Brandmauer erwägen. “Ich habe nicht vor, Juniorpartner der AfD zu werden”, wollte er sich dennoch nicht falsch verstanden wissen. Für ihn stand aber fest: “Die Brandmauer ist gescheitert, weil wir kleiner werden und sie größer.” Diese “gesellschaftlichen Realitäten” seien anzuerkennen. Die sähen in Ostdeutschland mit 43 Prozent Zustimmung für die AfD eben anders aus.
“Warum müssen wir die dummen Experimente unserer Freunde und Nachbarn nachmachen?”, sah das Anna Sauerbrey anders und erinnerte an 15 Jahre Orbán-Regierung in Ungarn. Gerade in Amerika zeige sich aktuell, “dass etwas kaputt geht, wenn sie rangelassen werden”. “Es geht doch sowieso kaputt”, konterte Petschner-Multari, “dann soll sie (die AfD) in Sachsen-Anhalt mit Pauken und Trompeten scheitern. Da leben 2,5 Millionen Menschen, da kann nicht so viel zu Bruch gehen. Im schlimmsten Fall machen sie Sachsen-Anhalt kaputt, aber dann hat das der Wähler so gewollt!” Wolle die Union weiter bestehen, müsse sie sich in ihrer jetzigen Form mit der AfD arrangieren, so sein Fazit.

Autor Armin Petschner-Multari überraschte Markus Lanz (B.) mit einer Aussage zur Bundespräsidentenwahl.
© ZDF/ Markus Hertrich
Genau dafür sei die Union bereits im Januar und Februar 2026 abgestraft worden, hielt CDU-Politiker Kiesewetter dagegen. “Wir haben die Mitte aufgegeben”, räumte er selbstkritisch ein. Statt über Bildung, Integration und Wirtschaft zu reden, habe man versucht, Migration, das Hauptthema der AfD, zu besetzen. Dennoch müsse man “unbedingt solche Debatten führen”, begrüßte er Petschner-Multaris Vorstoß. Schließlich wachse in der Union schleichend die Annahme, die AfD sei eine konservative Partei. “Das ist sie nicht, sie ist zutiefst destruktiv”, stellte er klar, “da hilft es nicht romantisch zu hoffen, dass die rechte Gruppe konservativ ist.”
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“Man kann nicht sagen, die Tür ist zu, egal, was ihr macht”, beharrte Petschner-Multari. Ob die Union dem Druck von rechts standhält oder ihm nachgibt, blieb am Ende offen. Markus Lanz beendete die Runde mit einem Augenzwinkern: “Die Tür ist zu, die Zeit ist um … ”
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