Machtkampf bei den UN
Trump stellt sich quer – jetzt droht eine Führungskrise
11.10.2026 – 09:05 UhrLesedauer: 2 Min.
US-Präsident Donald Trump bei den Vereinten Nationen (Archivbild): Seine Regierung lehnt offenbar alle Kandidaten für die UN-Spitze ab. (Quelle: IMAGO/Marek Ladzinski/imago)
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Die USA wollen bei der Besetzung des höchsten UN-Postens offenbar einen radikalen Kurswechsel erzwingen. Dafür könnte Washington sämtliche bisherigen Bewerber ausbremsen.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich offenbar gegen sämtliche bisherigen Kandidaten für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres gestellt. Keiner der sieben Bewerber entspreche den Vorstellungen des Weißen Hauses für einen grundlegenden Umbau der Vereinten Nationen. Das berichtet das US-Magazin “Politico” unter Berufung auf zwei mit internen Gesprächen vertraute Personen.
Gesucht werde vielmehr jemand, der mit den bisherigen Strukturen bricht. “Wir suchen eine Art Störer”, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums dem Magazin. Langjährige Erfahrung innerhalb der UN sei nicht unbedingt die richtige Voraussetzung für den Spitzenposten.
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Die USA könnten die Neubesetzung damit erheblich erschweren. Als eines von fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats verfügt Washington über ein Vetorecht und kann die Empfehlung eines Kandidaten verhindern. Erst danach entscheidet die UN-Generalversammlung über dessen Ernennung.
Selbst Fifa-Chef Infantino im Gespräch
Als bisherige Favoritin gilt die frühere Vizepräsidentin Costa Ricas, Rebeca Grynspan. Sie lag bei den informellen Abstimmungen im Sicherheitsrat zuletzt vorn. Aus republikanischen Kreisen kommt jedoch Widerstand: Ein Mitarbeiter des US-Kongresses warf ihr gegenüber “Politico” vor, Israel zu kritisch und China gegenüber zu nachsichtig zu sein. Sollte Grynspan den Posten erhalten, sei kaum mit Unterstützung der Republikaner für den regulären UN-Haushalt zu rechnen.

Rebeca Grynspan bei einer UN-Debatte in New York (Archivbild): Die frühere Vizepräsidentin Costa Ricas gilt als Favoritin für die Guterres-Nachfolge. (Quelle: IMAGO/Lev Radin/imago)
Trump hatte Anfang des Jahres sogar Fifa-Präsident Gianni Infantino als möglichen Kandidaten ins Spiel gebracht. Eine offizielle Nominierung gab es allerdings nicht. Ein Vertreter des Außenministeriums bezeichnete Infantino gegenüber “Politico” dennoch als denkbare Option. Auch der bulgarische Diplomat Nickolay Mladenov, der Trumps Gaza-Friedensgremium leitet, wird als möglicher Bewerber gehandelt.
Das US-Außenministerium äußerte sich auf Anfrage des Magazins nicht zu einzelnen Kandidaten. Es erklärte jedoch, Washington werde nur jemanden unterstützen, der sich entschieden für tiefgreifende Reformen einsetze. Geschlecht und geografische Herkunft seien dabei nicht ausschlaggebend.
Droht den Vereinten Nationen eine Führungskrise?
Guterres’ zweite und letzte Amtszeit endet am 31. Dezember. Die Vereinten Nationen stehen bereits unter erheblichem finanziellem Druck. Die Trump-Regierung hat US-Beiträge gekürzt und sich aus mehreren UN-Organisationen zurückgezogen. Nach Angaben von “Politico” fehlen der Organisation infolge der Einschnitte rund vier Milliarden Dollar.